Der Markendruck

In diesem Artikel soll ein Überblick über den Druck der Germaniamarken gegeben werden.

Sämtliche Germaniamarken wurden von der Reichsdruckerei Berlin im Hochdruck hergestellt. Beim Hochdruck sind die zu druckenden Elemente der Druckform erhaben ausgebildet und übertragen die Druckfarbe direkt auf das Papier. Die Marken wurden zunächst im damals üblichen Plattendruck, ab ca. 1910 auch im Rotationsdruck (Walzendruck), gefertigt.

Plattendruck

Um die Druckformen herzustellen wurde der Originalentwurf, der noch keine Wertziffern enthielt, auf photographischen Weg verkleinert und in Stahl gestochen. Von diesem Urstempel wurden dann mit den entsprechenden Typen der Wertziffern versehene Arbeitsstempel angefertigt. Von diesen Arbeitsstempeln wurden über Zwischenschritte ein Klischeeblock von 25 (5x5) Markenklischees zusammengestellt. Von diesen Urklischees wurde galvanisch die eigentlichen Druckgalvanos hergestellt und durch vernickeln oder verstählen widerstandsfähiger gemacht. Vier dieser Druckgalvanos wurden dann zu einem Schalterbogen von hundert Marken zusammengesetzt.

Klischeevergleich ein- und zweifarbige Germania
Abb 1: links Klischee der einfarbigen,
rechts der zweifarbigen Werte
Für die zweifarbigen Werten wurden entsprechend zwei Druckplatten hergestellt: Eine für den Rahmen (Rahmenplatte) und eine für das Mittelstück mit der Germania, den Wertzahlen und der Inschrift (Schwarzdruckplatte). Um ein ineinander drucken der beiden Teile zu verhindern wurde dazu das innere Medailon etwas verkleinert und mit einer dünnen Umrandung versehen. Abbildung 1 zeigt beide Klischees anhand des 25 Pfennig Wertes, der für die Rohrpostkarten einfarbig und für die normale Markenausgabe zweifarbig gedruckt wurde. Da Fehler der Rahmenplatte auf mehreren Werten gefunden wurden, kann man davon ausgehen, daß die Rahmenplatte(n) für alle zweifarbigen Werte benutzt wurde. Zuerst wurde der farbige Rahmen und darauf das schwarze Mitttelstück gedruckt. Für die Neuauflage 1920 wurden den Wertstufen neue Farben zugeordnet. Die vorher zweifarbigen Werte zu 30, 40, 50, 75 und 80 Pfennig wurden jetzt einfarbig gedruckt. Da sich die Herstellung der neuen Druckformen verzögerte wurden die ersten Auflagen der Rollen noch mit den beiden, diesmal aber gleich eingefärbten, Druckplatten ausgeführt (Type I, "Doppelplatte"). Später wurden diese Marken mit neuen Druckplatten in nur einem Druckgang gefertigt (Type II). Man kann die Type I an dem mehr oder weniger verschobenen Mittelstück und an dem kaum sichtbaren Kreuz der Krone von der Type II unterscheiden.

Eine Druckform (Maschinenbogen) bestand aus vier (2*2), bei den häufiger benötigten Wertstufen aus acht (2*4), solcher Hunderterformen. Um 1908 wurde eine Druckmaschine aufgestellt die sogar 16 Hunderterformen gleichzeitig drucken konnte.

Die Maschinenbögen wurden zu Zähnungsbögen zu je zwei waagerechten Schalterbögen geschnitten, gezähnt und anschließend in Schalterbögen geteilt.

Der Druck erfolgte zunächst auf Papier ohne, ab 1905 mit Wasserzeichen. Mit Ausnahme der beiden letzten Werte aus dem Jahre 1922 (Michel 197 und 198) wurden die Marken auf Papier mit dem Wasserzeichen Raute gedruckt. Die beiden letzten Germaniawerte wurden auf Papier mit dem 1921 eingeführten Wasserzeichen Waffeln gedruckt. Das Wasserzeichenpapier diente als Sicherheitseinrichtung um ein Fälschen der Marken weiter zu erschweren. Als weiteres Sicherheitsmerkmal wurde auf dem Papier ein unsichtbarer Schutzunterdruck aus Phenolphthalein aufgetragen. Dieser Druck läst sich beim Behandeln der Marken mit einer Alkalie sichtbar machen. Als Besonderheit kann die Marke zu 1,25 Mark gelten, die teilweise auf, eigentlich Steuermarken vorbehaltenen, Papier mit Wasserzeichen Kreuzblüte gedruckt wurde. Das Papier wurde von der Reichsdruckerei in Rollen bezogen und vor dem Druck gleichzeitig rückseitig gummiert und vorderseitig mit dem Schutzunterdruck versehen. Um ein Rollen der rückseitig gummierten Bögen zu verhindern wurde bereits bei der Reichspost-Ausgabe das Papier nach dem Gummieren schräg über senkrechte Metallstäbe gezogen und damit die Gummischicht "gebrochen". Danach wurden die Papierrollen für den Plattendruck zu Bögen zerteilt.

Die Druckmaterialien waren zunächst von sehr guter Qualität, was sich in sauberen klaren Drucken, glattem Papier und glänzendem Gummi zeigte. Die sich im Laufe des Weltkrieges verschlechternde Rohstoffsituation zeigt sich ab ca. 1915 in unsauberen, stumpfen Drucken auf schlechtem grobem Papier mit teilweise schlecht, bis gar nicht erkennbaren Wasserzeichen. Hinzu kam wohl auch ein Mangel an qualifiziertem Personal in der Reichsdruckerei. Diese Verschlechterung der Drucke verlief teils kontinuierlich, teils sprunghaft, wobei aber zwischenzeitlich auch wieder gute Materialen verwendet worden sind. Man unterscheidet daher bei den Marken "Deutsches Reich mit Wasserzeichen" zwischen Friedens- und Kriegsdrucken.

Neben den eigentlichen Marken findet man auf den im Plattendruck hergestellten Bögen weitere Druckelemente, die teilweise die Abrechnung am Postschalter vereinfachen sollten, drucktechnischer Natur waren oder der innerbetrieblichen Organisation der Reichsdruckerei dienten.

Bogenrand Plattendruck
Abb. 2 : oberer und unterer Bogenrand beim Plattendruck mit waagerechten und senkrechten Reihenwertzahlen, Stichelleisten, Zähnungspunkturen und Hausauftagsnummer

Zunächst sind die Reihenwertzahlen über jeder senkrechten Markenreihe zu nennen. Sie geben von links nach rechts den aufsummierten Wert der Markenreihen an. Diese Reihenwertzahlen wurden bereits bei der Krone/Adler-Ausgabe eingeführt und sollten den Postbeamten die Abrechnung angebrochener Bögen erleichtern. Ab 1920 kamen noch entsprechende waagerechte Aufrechnungszahlen auf der linken Bogenseite hinzu.

Nach der Einführung der Reihenwertzahlen bemerkte man, daß die Druckklischees der obersten Reihe nicht so schnell abnutzten wie vorher. Dies führte zu Einführung der Stichelleisten auf den übrigen Seiten. Diese Druckelemente nahmen die Stöße der Druckzylinder auf und schützen so die empfindlicheren Markenklischees. Folgerichtig findet man bei den zweifarbigen Werten auch Stichelleisten in beiden Druckfarben. Je nach Anordnung der Stichelleisten bzw. wie sie die einzelnen Hunderterformen verbinden unterscheidet man verschiedene Randdrucke.

Auf den Bogenrändern findet man die sogenannten Zähnungspunkturen. Diese kleinen Punkte dienten als Anlagemarken für die Zähnungsmaschinen.

Um während des Drucks Fehler schneller lokalisieren zu können wurden die einzelnen Hunderterformen einer Druckformen numeriert. Man findet diese Nummern als Formnummern auf den Seitenränder.

unter Bogenrand Mi 156
Abb. 4 : unterer Bogenrand Mi. 156 mit Hausauftragsnummer der Urmarke (violett) und Hausauftragsnummer des Aufdrucks (grün)

Bogenrand rechts
Abb 3: rechter Bogenrand mit Hausauftragsnummer und Formnummer
Der innerbetrieblichen Abrechnung einzelner Druckaufträge dienten die Hausauftragungsnummern (H-Nummern, HAN). Sie erscheinen ab etwa 1902 auf den Bogenrändern und durchliefen in den vielen Jahren ihrer Verwendung einige Änderungen. Zunächst wurde die Auftragsnummer als einfache Zahl auf den Bogenrand gedruckt. Seit Mitte 1904 wurde der Zahl ein H vorgesetzt, ab etwa 1908 wurde der Auftragsnummer das Rechnungsjahr (1. April bis 31. März) hintan gestellt. Teilweise ist diese HAN noch um eine Nummer, die die Teilauflage des Druckauftrages angibt, erweitert. Sie befindet sich meistens auf dem rechten oder unteren Bogenrand.

Ab ca. 1916 findet man auf den Bogenrändern zunächst einzelne Buchstaben, später Namenskürzel und ganze Namen. Diese werden als Namen der Schichtführer gedeutet und werden allgemein als Druckerzeichen bezeichnet.

Rotationsdruck

Auch wenn beim Plattendruck bis zu 1600 Marken pro Druckvorgang hergestellt werden konnten wurde durch den rasant ansteigenden Bedarf an Freimarken (im Jahr 1911 wurden ca. 5.5 Mio. Marken zu 5 Pf täglich(!) verbraucht) ein rationelleres Druckverfahren notwendig. Eng damit verbunden war die Suche nach einer effektiveren Art die Markenrollen für die sich langsam verbreitenden Verkaufsautomaten bzw. automatischen Frankiermaschinen herzustellen. Diese wurden nämlich zunächst von Hand (sic!) aus den senkrechten Zehnerstreifen eines normalen Schalterbogens zusammengeklebt.

Obwohl bereits seit längerem Postkarten im Rotationsdruck hergestellt wurden, kaufte die Reichsdruckerei erst 1911 eine Rotationsdruckmaschine für den Briefmarkendruck. Diese erste Maschine ("Maschine I") hatte ein Farbwerk und war zunächst für eine Breite von nur 5 Marken ausgelegt. 1914 folgten dann eine weitere leistungsfähigere, die mit zwei Farbwerken ausgestattet war und eine Breite von 10 Marken aufwies ("Maschine II"). Auf diese Breite wurde die erste Maschine dann ebenfalls umgerüstet.

Der Umfang des Druckzylinders war schon von Anfang an so bemessen, daß er genau 22 Markenklischees plus den entsprechenden Zwischenräumen entsprach. Beim Druck wurden Blockklischees zu 2*5 Markenklischees verwendet, also zweimal 11 Blockklischees pro Druckzylinder. Sie waren beweglich mit der Walze verbunden damit die Klischees relativ zu der fest stehenden Zähnungseinrichtung verschoben werden konnten.

Die 1. und 11. Klischeereihe konnte entweder Markenklischees enthalten, dann wurden Endlosrollen (pro Umdrehung 220 Marken) gedruckt. Oder aber Klischees mit den vom Plattendruck bekannten Reihenwertzahlen, dann konnten pro Umdrehung zwei Schalterbögen zu je 100 Marken gedruckt werden. Die Papierbahn wurde dann genau in der Mitte dieser beiden Klischeereihen zu Schalterbögen getrennt. Man konnte also durch einfaches Auswechseln der entsprechenden Blockklischees zwischen Endlosrollen und Schalterbögen wechseln. Bei den zweifarbigen Marken wurde wie beim Plattendruck zuerst der Rahmen, gefolgt vom Mittelstück, gedruckt.

Anhand von Einzelmarken kann keine Unterscheidung zwischen Platten- und Rotationsdruck vorgenommen werden. Da sich aber die Bogenränder charakteristisch unterscheiden ist dies bei Marken mit anhängendem Bogenrand leicht möglich. Marken aus Rollen können nur anhand von 11er Einheiten oder Rollenenden nachgewiesen werden.

Bogenrand Rotationsdruck
Abb. 5 : unterer und oberer Bogenrand beim Rotationsdruck mit Walzenstrichen, Reihenwertzahlen und Klischeenummern

Charakteristisches Merkmal der im Rotationsdruck hergestellten Schalterbögen sind die sogenannten Walzenstriche auf den oberen und unteren Bogenrändern. Sie sorgten das der Druckzylinder rund lief, da ja die 1. und 11.  Klischeereihe keine Marken-, sondern Reihenwertzahlenklischees enthielten. Bei den Germaniamarken wurden 13 Striche verwendet, die bei den zweifarbigen Ausgaben auf beide Druckzylinder aufgeteilt wurden: 6 für den Rahmendruck, 7 für den nachfolgenden Druck des Mittelstücks. Die Reihenwertziffern sind dabei durchweg mit dem Mittelstück gedruckt worden.

Ein weiteres charakteristisches Merkmal sind die Klischee-Laufnummern auf den linken Bogenändern. Analog den beim Buchdruck verwendeten Formnummern sollte sie das Auffinden von beschädigten Klischees erleichtern. Diese Nummern gingen von 1 bis 11 und sind immer in der entsprechenden Druckfarbe zu finden - bei den zweifarbigen Werten ensprechend zweimal. Bei Maschine I befinden sich die Klischeenummern auf der Höhe Zähnung genau zwischen zwei Marken, während sie bei der Maschine II rechts und links (bei zweifarbigen Marken) der Zähnung befinden.

Bogenzähler Rotationsdruck
Abb. 6 : Bogenzähler und Klischeenummern von Maschine I (links) und Maschine II (rechts)

Auf dem, bei den Germaniaausgaben immer linken, Bogenrand findet man den Bogenzähler: eine fortlaufende vierstellige Nummer in schwarzer Farbe die zur Abrechnung der produzierten Bögen diente. Anhand der Bogenzähler lassen sich die beiden Maschinen unterscheiden: bei der älteren Maschine I sind die Ziffern kleiner und an den Marken ausgerichtet, während sie bei Maschine II größer und am Bogenrand ausgerichtet sind (vgl. Abb. 6).

 

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